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Gestern haben wir in den Bergen die Wintersaison beendet.
Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wuseln noch herum, ob sie wohl glücklich sind? Wer weiß. Sicher ist nur, dass all diese jungen Menschen – die einen mehr, die anderen weniger – an die Zukunft denken. Und die Zukunft beginnt in der nächsten Sekunde. Auch bis zum Juni, wenn wir hier wieder aufmachen, ist es nicht lange. Die Jahreszeiten gehen schnell vorüber – und wie vielen Menschen wir begegnet sind!
Eine Saison zu beenden und ein Hotel in Ferien zu schicken, ist mehr als nur der Beginn eines Betriebsurlaub. Es ist eine Art lärmendes Ritual, alles dreht sich in Taten und Gedanken um die Menschen, die mit uns gewesen sind, um die, die kommen werden, um das, was uns erwartet. Die Situation heute erzählt uns auch von einer Bergwelt, die in Veränderung begriffen ist, von immer kürzeren Wintern. Immer deutlicher zeigt sich, dass das Geschäftsmodell, dass die Zukunft der Bergwelt nur einer einzigen Form von Tourismus anvertraut hat, an seine Grenzen kommt. Wir müssen endlich Orte schaffen, die die Grenzen der Natur respektiere. Das Klima ist hierbei nicht nur ein Problem, sondern Teil der Lösung.
Immer stärker empfinden wir die Pflicht, eine Alternative zu erdenken: Eine Bergwelt, die nicht nur touristische Monokultur ist, sondern auch dann gut zu existieren weiß, wenn die Wintersaison immer mehr ins Wackeln gerät. In der Toskana dagegen sind wir jetzt offen, und dieses Wechselspiel gefällt uns: Viele unserer Mitarbeitenden arbeiten in alle unseren Häusern und ihr Einsatz erlaubt und zusammen mit dem der Saisonkräfte achtsam darauf zu sehen, was kommt.
Casa Costa folgte einer klaren Linie: der Gemeinwohlökonomie, einem Wirtschaftsmodell, dass uns darüber nachdenken lässt, warum wir wie handeln. Das Arbeiten mit diesem Paradigma erinnert uns daran, dass jedes unserer Häuser ein Garten ist, den wir hegen müssen, und nicht ein Ort, der konsumiert wird. Und es erinnert uns daran, dass jede Handlung wie ein Samen ist: Würde, Solidarität, Gerechtigkeit, Transparenz und Schutz der Natur sind keine abstrakten Konzepte, sondern das Maß unserer Arbeit. Jede wirtschaftliche Entscheidung, jedes Projekt sollte mit dazu beitragen, eine gerechtere Welt zu schaffen – und nicht nur schnellen Profit.
Regenerativer Tourismus ist unser tägliches Handeln. Doch bei dieser Form von Tourismus geht es nicht nur darum, von dem zu profitieren, was die Natur uns gegeben hat. Im Gegenteil, es geht darum, mehr zurückzugeben als wir erhalten. Und vielleicht ist genau das heute die Alternative, nach der wir suchen: nicht neue Vergnügungspark in den Bergen zu errichten, sondern diese Orten Sinn, Gleichgewicht, Qualität und einen langsameren Rhythmus zurückzugeben. Denn regenerativer Tourismus ist keine Theorie, er ist tägliches Handeln.
Können wir in unserer Arbeit Landschaften schützen, Wasserquellen neu aktivieren, Wälder und Wege hegen und pflegen? Das wäre natürlich wichtig. Wir versuchen aber erst einmal, den Menschen etwas zurückzugeben: Wir investieren in Aus- und Fortbildung, wir unterstützen die Gemeinschaft, schaffen Räume, in denen jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin wachsen und sich wertgeschätzt fühlen kann. Wir realisieren Sozialprojekte, fördern lokale Gemeinschaften, schaffen Angebote für Menschen in Schwierigkeiten und bemühen uns, die Geschichte unserer Orte am Leben zu bewahren, indem wir unsere Sprache und unsere Traditionen am Leben erhalten.
Ab heute sind wir Einheimischen in unseren Tälern wieder die einzigen Bewohner. Alles wird stiller und klarer, und es fühlt sich an, als begönne man eine nächtliche Traumreise, zum Mondlicht auf den Bergen und durch die Stille: Das Saisonende ist kein Ende. Es verändert sich nur die Dimension.
Danke, giulan, an alle, die Sie in diesen letzten Wintermonaten den „Garten“ betreten und ihn schöner zurückgelassen haben, als Sie ihn vorgefunden haben. Danke auch all denjenigen, die ihr künftig unsere Welt betreten werdet, die auch die eure ist. Denn nur eine Welt, in der die Gastfreundschaft zuhause ist, kann uns vor Krieg und Bomben bewahren.
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